Die entscheidende Phase nach dem Kükenfutter
Die Aufzucht einer Brahma ist eine Reise, die Geduld und Fachwissen erfordert. Eine der wichtigsten Weichenstellungen erfolgt in der Phase nach dem Kükenfutter, wenn die Tiere vom Jungtier zur Junghenne heranwachsen. Während Kükenfutter in den ersten Lebenswochen auf schnelles Knochen- und Federwachstum ausgelegt ist, verändert sich der Nährstoffbedarf nun grundlegend.
In dieser entscheidenden Phase zwischen der 9. und 18. Lebenswoche geht es nicht mehr um schnelles Wachstum, sondern um ein kontrolliertes, gleichmäßiges Heranreifen. Genau hier liegt die Herausforderung bei Brahmas: Sie zählen zu den schwersten und am langsamsten reifenden Hühnerrassen überhaupt. Ein zu proteinreiches oder energiedichtes Futter führt bei ihnen schnell zu Verfettung, Gelenkproblemen und einem verfrühten Legebeginn – alles Faktoren, die die Lebensqualität und Legeleistung dauerhaft beeinträchtigen können.
Doch welches Futter ist das richtige? Um diese Frage zu beantworten, habe ich fünf gängige Junghennenfutter auf dem Markt einem detaillierten Vergleich unterzogen: Garvo 714 Rasse Junghennenpellet, Mifuma Junghennen Premium Pellet, Havens Start & Grow, ALFANA AL-Junghennenkorn und PANTO® Unikorn.

Die Bewertungskriterien – worauf es bei Brahmas wirklich ankommt
Bei der Bewertung der Futtermittel habe ich mich nicht an allgemeinen Empfehlungen orientiert, sondern an den spezifischen physiologischen Bedürfnissen der Rasse Brahma. Hier sind die Kriterien in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:
1. Rohfaseranteil (Gewichtung: 35 %)
Dies ist das wichtigste Kriterium überhaupt. Brahmas haben einen langsamen Stoffwechsel und neigen extrem zu Verfettung. Ein hoher Rohfaseranteil (ideal zwischen 5 und 6 %) sorgt für langanhaltende Sättigung ohne viele Kalorien, trainiert den Muskelmagen und fördert eine gesunde Verdauung. Ein gut trainierter Verdauungstrakt ist zudem die Grundlage für eine hohe Futteraufnahme in der späteren Legephase.
- Verfettungsprävention: Brahmas haben einen extrem langsamen Stoffwechsel und neigen stark zu Fettleibigkeit. Rohfaser liefert kaum Energie, füllt aber den Magen. Ein hoher Faseranteil (ideal 5–6 %) sorgt für Sättigung ohne Kalorienüberschuss. Fettleibigkeit führt bei Brahmas zu Gelenkproblemen (Coxitis, Beinschwäche) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Muskelmagentraining: Die Rasse hat einen großen, kräftigen Muskelmagen. Grobe Faserstrukturen (wie sie in Körnern und Grünfutter vorkommen) trainieren diesen Muskel und fördern eine gesunde Verdauung.
- Futterkapazität für die Legephase: In der Legephase müssen Brahmas große Mengen Futter aufnehmen, um genug Calcium für die massiven Eierschalen zu liefern. Ein frühzeitig trainierter, gedehnter Verdauungstrakt (durch Rohfaser in der Aufzucht) ist die Grundlage dafür.

2. Rohproteingehalt (Gewichtung: 25 %)
Für die langsame Reifung der Brahmas ist ein moderater Proteinanteil von etwa 14 bis 15,5 % ideal. Höhere Werte (über 16,5 %) können das Wachstum beschleunigen, was das noch weiche Knochensystem überlastet und zu Haltungsschäden führt. Ein niedrigerer Proteingehalt verzögert zudem den Legebeginn auf den natürlichen Zeitpunkt (7–10 Monate), was der langfristigen Gesundheit und Legeleistung zugutekommt.
- Verhindert zu schnelles Wachstum: Ein zu hoher Proteingehalt (über 17 %) führt bei Brahmas zu beschleunigtem Muskelaufbau, der das noch weiche Knochensystem (besonders die Gelenke) überlastet. Die Folge sind Haltungsschäden und Beinprobleme.
- Verzögert den Legebeginn: Ein niedrigerer Proteingehalt (um 15 %) signalisiert dem Körper, nicht zu früh mit der Eiproduktion zu beginnen. Brahmas sollten nicht vor der 7.–8. Lebenswoche legen – ein verfrühter Start schädigt ihre langfristige Legeleistung und Lebensdauer.
- Vermindert Leberbelastung: Überschüssiges Protein muss über die Nieren ausgeschieden werden, was bei Brahmas (die viel Futter aufnehmen) die Organe belasten kann.

3. Calciumgehalt (Gewichtung: 15 %)
In der Aufzuchtphase ist ein moderater Calciumgehalt von 0,8 bis 1,2 % ideal. Höhere Werte können die Nieren belasten und den natürlichen Reifungsprozess stören. Wichtig ist: Unabhängig vom Futter sollte den Tieren stets separater Muschelkalk oder Grit zur freien Verfügung stehen – so regulieren die Hennen ihre Calciumaufnahme selbst.
- In der Aufzucht niedrig halten (0,8 – 1,0 %): Ein zu hoher Calciumgehalt kann den natürlichen Entwicklungsrhythmus stören und zu Nierenschäden führen. Außerdem kann es den Legebeginn ungewollt verzögern, weil der Körper signalisiert, dass genug Calcium vorhanden ist – oder im Gegenteil, einen verfrühten Legebeginn anregen, wenn der Wert nicht zur Körpergröße passt.
- Wichtig: Separater Muschelkalk: Bei allen Füttern muss den Tieren stets separater Muschelkalk oder Grit zur freien Verfügung stehen. Die Hennen regulieren ihre Calciumaufnahme selbst und decken so den erhöhten Bedarf in der Legephase. Daher ist ein niedriger Wert im Futter sogar wünschenswert, um den Eigenregulationsmechanismus zu trainieren.

4. Energiegehalt (Gewichtung: 10 %)
Die umsetzbare Energie (ME) sollte im Bereich von 11,0 bis 11,3 MJ/kg liegen. Höhere Werte erhöhen das Verfettungsrisiko, besonders wenn sie nicht durch einen hohen Faseranteil ausgeglichen werden.
- Bei Brahmas ist ein moderater Energiegehalt wichtig, da sie sonst schnell verfetten. Jedes zusätzliche MJ/kg bedeutet mehr Risiko für Übergewicht.
- Im Vergleich liegen alle Futter im Bereich von 11,0 – 11,6 MJ/kg, was einen engen Korridor darstellt. Die Unterschiede sind also gering.
- Höhere Energie ist nur dann von Vorteil, wenn sie mit sehr hohem Faseranteil kombiniert wird. Faser bindet Energie und gibt sie langsam ab

5. Spezielle Zusätze & Zielgruppen-Eignung (Gewichtung: 10 %)
Hier fließen qualitative Faktoren ein, wie die Ausrichtung auf Rassegeflügel, praktische Fütterungshinweise (z.B. Fütterungsdauer von 0–18 Wochen) und wertvolle Zusätze wie Kräuterkomplexe oder Soja-Freiheit.
- Zielgruppen-Eignung: Ist das Futter speziell für Rassegeflügel entwickelt? (Garvo, Havens, Mifuma) oder handelt es sich um ein Standardfutter? (PANTO)
- Kräuter- und Zusatzstoffe: Kräuterkomplexe (Mifuma) fördern das Wohlbefinden und die Verdauung. Das ist ein zusätzlicher Gesundheitsbaustein.
- Fütterungsdauer: Ein Futter, das über die gesamte Aufzuchtphase (0–18 Wochen) gefüttert werden kann (Havens), erspart Futterumstellungen und ist besonders praktisch.
- Soja-frei: Für Züchter mit diesem Anspruch ist die Soja-Freiheit (ALFANA AL) ein entscheidendes Kriterium.

Die Futtermittel im direkten Vergleich
Hier sind die wichtigsten Nährwerte der fünf verglichenen Futtermittel auf einen Blick:
| Eigenschaft | Garvo 714 | Mifuma Junghennen | Havens Start & Grow | ALFANA AL (Soja-frei) | PANTO® Unikorn |
|---|---|---|---|---|---|
| Rohprotein | 14,9 % | 15,5 % | 16,5 % | 15,5 % | 16,5 % |
| Rohfaser | 5,7 % | 4,7 % | 4,8 % | 4,2 % | 4,5 % |
| Rohfett | k.A. | 4,5 % | 4,6 % | 4,7 % | 3,0 % |
| Calcium | 1,91 % | 0,9 % | 1,0 % | 0,9 – 1,0 % | 1,00 % |
| Phosphor | k.A. | 0,6 % | 0,5 % | 0,65 – 0,7 % | 0,55 % |
| Energie (ME) | k.A. | 11,2 MJ/kg | k.A. | 11,4 – 11,5 MJ/kg | 11,0 MJ/kg |
| Besonderheit | Rassegeflügel | Kräuterkomplex | 0–18 Wochen | Soja-frei | Standard |
Die Rangfolge – meine detaillierte Empfehlung
🥇 Platz 1: Garvo 714 Rasse Junghennenpellet
Das beste Futter für Brahmas – uneingeschränkte Empfehlung.
Begründung:
- Exzellenter Rohfaseranteil von 5,7 % – der mit Abstand höchste Wert im Vergleich und damit ideal, um die Brahmas satt zu bekommen ohne sie zu verfetten. Der Muskelmagen wird optimal trainiert.
- Niedrigster Proteingehalt (14,9 %) – unterstützt das langsame, kontrollierte Wachstum und verzögert den Legebeginn auf den natürlichen Zeitpunkt.
- Speziell für Rassegeflügel entwickelt – die Rezeptur ist genau auf die Bedürfnisse von Tieren in Zucht und Schau abgestimmt.
- Einziger kleiner Nachteil ist der etwas höhere Calciumgehalt (1,91 %), der jedoch durch die separate Bereitstellung von Muschelkalk problemlos ausgeglichen werden kann.
Fazit: Wer das Beste für seine Brahmas will, kommt an Garvo 714 nicht vorbei.
🥈 Platz 2: Mifuma Junghennen Premium Pellet
Die durchdachte Alternative für eine gesunde, langsame Entwicklung.
Begründung:
- Niedriger Proteingehalt (15,5 %) – exakt im idealen Bereich für Brahmas. Unterstützt die natürliche, langsame Reifung und beugt Verfettung vor.
- Guter Rohfaseranteil (4,7 %) – liegt sehr nah an den Spitzenwerten. Der minimale Abstand zu Havens (0,1 %) ist in der Praxis bedeutungslos.
- Wertvoller Kräuterkomplex – dies ist das entscheidende Alleinstellungsmerkmal. Kräuter fördern die Verdauung, stärken das Immunsystem und tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei – ein großer Pluspunkt für langlebige Rassen wie die Brahma.
- Optimaler Energiegehalt (11,2 MJ/kg) – liegt im idealen Korridor und vermeidet unnötige Energiezufuhr.
- Speziell für Rassegeflügel ausgerichtet – die Rezeptur ist explizit darauf ausgelegt, ein langsames Heranreifen zu gewährleisten und einen verfrühten Legebeginn zu verhindern.
Fazit: Mifuma überzeugt durch seine durchdachte Rezeptur für Rassegeflügel. Der Kräuterkomplex gibt den Ausschlag gegenüber Havens, während die Nährwerte fast gleichwertig sind. Wer seiner Brahma etwas Gutes tun will, trifft mit Mifuma eine sehr gute Wahl.
🥉 Platz 3: Havens Start & Grow
Die flexible Lösung für eine unkomplizierte Fütterung von 0 bis 18 Wochen.
Begründung:
- Sehr guter Rohfaseranteil (4,8 %) – liegt nah am Idealwert.
- Kann von der ersten bis zur 18. Woche gefüttert werden – das erspart Futterumstellungen und ist besonders praktisch.
- Der Proteingehalt (16,5 %) ist im Vergleich zu Garvo und Mifuma etwas höher. Für Brahmas ist das akzeptabel, aber nicht ganz so optimal wie die niedrigeren Werte der Platzierungs-Vorgänger.
- Fazit: Eine hervorragende Wahl für Züchter, die eine einfache Lösung von Anfang an suchen. Im direkten Vergleich der Nährstoffe und Spezialzusätze muss es sich aber den Plätzen 1 und 2 geschlagen geben.
Platz 4: ALFANA AL-Junghennenkorn
Die beste Wahl für eine Soja-freie Ernährung.
Begründung:
- Guter Rohfaseranteil (4,2 %) und niedriger Proteingehalt (15,5 %), was grundsätzlich gut für Brahmas ist.
- Gänzlich frei von Sojaextrakten – der Hauptvorteil für Züchter mit diesem speziellen Anspruch.
Fazit: Für eine Soja-freie Fütterung die beste Wahl im Vergleich, aber im reinen Nährwertprofil (besonders beim Faseranteil) hinter den Plätzen 1–3.
Platz 5: PANTO® Unikorn
Solides Standardfutter – aber für Brahmas nicht optimal.
Begründung:
- Die Werte (4,5 % Faser, 16,5 % Protein, 11,0 MJ/kg) sind in Ordnung, aber sie sind nicht speziell auf die Bedürfnisse einer langsam reifenden Rasse zugeschnitten.
- Es ist ein gutes Allgemein-Futter, jedoch finden sich mit den oben genannten Produkten deutlich bessere Alternativen.
Fazit: Mit diesem Futter macht man keine grundlegenden Fehler, aber für die spezifische Gesundheit und Entwicklung von Brahmas gibt es erwiesenermaßen bessere Optionen.
Praktische Tipps für die Fütterung
Unabhängig vom gewählten Futter gelten diese Grundregeln für die Aufzucht von Brahmas:
- Futter langsam umstellen: Jede Futterumstellung sollte über etwa eine Woche erfolgen, indem Sie das neue Futter täglich in steigender Menge untermischen. Das schont die Verdauung.
- Immer frisches Wasser bereitstellen: Ein hoher Rohfaseranteil erhöht den Wasserbedarf. Stellen Sie sicher, dass zu jeder Zeit sauberes Wasser verfügbar ist.
- Separaten Muschelkalk anbieten: Auch wenn das Futter Calcium enthält – für die spätere Eierschalenbildung ist eine eigenständige Calciumquelle (Muschelkalk oder Grit) unerlässlich. Die Hennen regulieren ihre Aufnahme selbst.
- Keine zusätzlichen Körner oder Leckereien: Ein vollständiges Alleinfutter wie die hier verglichenen Produkte enthält bereits alle notwendigen Nährstoffe. Zusätzliche Futtermittel (wie Körnermischungen oder Obst) sollten nur in Maßen und als Beschäftigung angeboten werden, da sie das empfindliche Nährstoffgleichgewicht stören können.
- Beobachten Sie Ihre Tiere: Achten Sie auf das Körpergewicht und die allgemeine Kondition. Sind die Tiere zu rund oder fühlen sich die Brustmuskeln zu prall an, reduzieren Sie die Ration oder erhöhen Sie den Faseranteil durch zusätzliches Grünfutter.

Fazit
Die Wahl des richtigen Futters ist bei Brahmas eine Investition in die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere. Wichtig zu betonen: Alle hier verglichenen Futtermittel sind hochwertige Produkte, die grundsätzlich für die Junghennenaufzucht geeignet sind. Die Bewertung bezieht sich ausschließlich auf die spezifischen Bedürfnisse der Hühnerrasse Brahma – eine der schwersten und am langsamsten reifenden Rassen überhaupt. Für leichtere oder schneller wachsende Rassen könnte die Gewichtung der Kriterien ganz anders ausfallen.
Meine Analyse zeigt, dass Garvo 714 Rasse Junghennenpellet die erste Wahl ist – es überzeugt durch den höchsten Rohfaseranteil und den niedrigsten Proteingehalt, genau das, was diese besondere Rasse in der entscheidenden Aufzuchtphase benötigt.
Mifuma Junghennen Premium Pellet folgt auf Platz 2, da es mit einem niedrigen Proteingehalt, einem guten Faserwert und einem wertvollen Kräuterkomplex eine durchdachte Rezeptur für Rassegeflügel bietet. Für viele Halter ist es die beste Balance zwischen Nährstoffprofil und zusätzlichen Gesundheitsvorteilen.
Havens Start & Grow ist eine flexible und praktische Alternative für die gesamte Aufzuchtphase, während ALFANA AL-Junghennenkorn die beste Wahl für eine Soja-freie Ernährung ist.
Eine wichtiger Ergänzung zum Schluss: In diesem Vergleich habe ich den Faktor Preis bewusst nicht berücksichtigt. Die Nährwertqualität stand im Vordergrund. In der Praxis spielt jedoch oft auch die Verfügbarkeit vor Ort eine Rolle. Nicht jedes Futter ist überall im Landhandel erhältlich oder lässt sich bequem bei Amazon* bestellen. Manchmal entscheidet sich die Wahl ganz pragmatisch danach, was der örtliche Händler führt und was sich ohne hohe Versandkosten beschaffen lässt. Auch ein Futter, das im Ranking etwas weiter hinten liegt, kann für Ihren konkreten Fall die beste Lösung sein – wenn es zuverlässig und bezahlbar verfügbar ist.
Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um meine persönliche Meinung und Erfahrung als Halter von Brahmas. Die Bewertung der Futtermittel erfolgt auf Basis öffentlich zugänglicher Herstellerangaben und meiner eigenen Recherche. Sie erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit oder Allgemeingültigkeit. Die Entscheidung für ein Futter liegt in der Verantwortung des Tierhalters. Ich empfehle, die Tiere regelmäßig zu beobachten und bei gesundheitlichen Unsicherheiten einen Tierarzt oder Geflügelberater hinzuzuziehen. Ich stehe in keiner geschäftlichen Beziehung zu den genannten Herstellern und erhalte keine Vergütung für diese Empfehlungen.
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